Leidet ein Kind an Uveitis, nimmt es die Krankheit oft nicht wahr, da sie weder Schmerzen noch äußere Veränderungen verursacht. Dennoch sind viele Probleme in der Schule auf die Uveitis zurückzuführen. Vor allem die Nebenwirkungen von Cortison und die Sehschwäche spielen eine Rolle. Hier bieten wir Ihnen drei kurze Beispiele, die als Anregung zum Erfahrungsaustausch dienen sollen.

Carsten

Carsten ist acht Jahre alt und geht in die dritte Klasse einer Grundschule. Er hat seit einem Jahr Uveitis-Entzündungsschübe, die mit Cortison-Tabletten behandelt werden. Seine Sehkraft ist kaum beeinträchtigt, so daß es in der Schule mit dem Lesen und Schreiben selten Schwierigkeiten gibt. Seine Lehrerin ist über die Krankheit informiert und achtet unauffällig auf seine Möglichkeiten, dem Unterricht zu folgen.

Carsten war durch das Medikament dick geworden und wurde nach einem Umzug und Schulwechsel von den neuen Mitschülern sehr gehänselt. Weiter wirkt sich das Cortison bei Carsten durch Stimmungsschwankungen aus. Mal ist er aufgedreht, mal ruhig, lustlos und will nicht einmal spielen.

Melanie

Die zwölfjährige Melanie geht auf ein Gymnasium. Sie hat nur noch eine Sehkraft von 10 bis 15 Prozent. Bei der Einschulung in die erste Klasse wurde die geringe Sehschärfe festgestellt – und nach einer Untersuchung eine Uveitis.

Melanie hat einen beidseitigen grauen Star, Hornhautdegenerationen und Verklebungen der Iris. Das rechte Auge gleitet manchmal etwas ab. Außerdem hat sie am Kopf Schuppenflechte. Ob sie auch Rheuma hat, ist noch nicht geklärt. Sie hat nur zeitweise Entzündungsschübe, bekommt bei Bedarf Cortison-Augentropfen und muß jeden Monat zum Augenarzt.

Melanie ist ein fröhliches, selbstsicheres Kind, das bei den Mitschülern beliebt ist. Man merkt ihr die Sehbehinderung nicht an. Sie benutzt im Unterricht eine kleine Lupe, eine Lichtlupe und ein Fernrohr. In der Grundschule wurde sie in Intervallen von einer Lehrerin der sächsischen Blindenschule betreut. Das ist jetzt nicht mehr nötig.

Bettina

1992 wurde bei unserer damals zwölfjährigen Tochter Bettina eine Uveitis am rechten Auge festgestellt. Nach einigen Stationen kamen wir 1994 zur Behandlung an eine Klinik, wo uns meines Erachtens zum ersten Mal kompetente Hilfe zuteil wurde. 1995 machte ein akuter Entzündungsschub eine Cortison-Therapie notwendig. Da die behandelnden Ärzte auf einer engmaschigen Laborkontrolle bestanden, mußte Bettina anfangs einmal pro Woche zur Blutabnahme zur Hausärztin. Diese brachte aber keine Hinweise auf eine negative Auswirkung der Therapie auf den Organismus. Allerdings war rein äußerlich leicht festzustellen, daß Bettina an Gewicht zunahm und mit deutlich mehr Hautunreinheiten belastet war.

Gravierender war das seelische Befinden unserer Tochter. Mitverantwortlich hierfür waren sicher die häufigen Arztbesuche und die damit verbundenen Belastungen durch Blutabnahme und Untersuchungen sowie die körperlichen Veränderungen. Bettina fühlte sich in dieser Zeit sehr häufig „unwohl“, hatte Stimmungstiefe und zog sich stark in sich zurück. Zusätzliche Erschwernisse ergaben sich dadurch, daß sie sich während dieser Zeit nicht dem Sonnenlicht aussetzen sollte – ausgerechnet im Früh- und Hochsommer.

Zu unserer Erleichterung zeigte die Therapie schon bald Wirkung. Im Herbst konnte dann endgültig der schleichende Ausstieg aus der Cortison-Behandlung beginnen, und bei den folgenden Kontrollen wurde festgestellt, daß sich das Auge wieder vollständig beruhigt hatte. Das Sehvermögen stieg
langsam wieder an.